Anton-Herrmann-Straße 46
Ausflugsgaststätte "Waldklause Einsiedel"

 

 

Die Gaststätte ”Waldklause” auf einer seinerzeit weit verbreiteten Fotopostkarte aus den 1960er Jahren. Die Buntfotos darüber und darunter zeigen uns in etwa den gleichen Blickwinkel am 20. August 2004.

Aber der Reihe nach:
Links oben und darunter die Freiluftwirtschaft mit Kiosk “Waldschenke”.
Heute wird dieses Areal vom “Klausen-Wirt” als Grillplatz vermietet. Man kann sich auch seine Speisen und Getränke in Gebäude selbst holen, denn hier hausen erfolgt keine Bedienung.

Rechts oben und darunter der Eingangsbereich.
Im Januar 1999 wurde dieser Eingangsbereich verglast und ein Wintergarten mit Ausgang zur Sommerterrasse angebaut.
 

 

 

 

 

 

Links und darunter Gastraum mit Tresen.
rechts und darunter der Gesellschaftssaal.

Die Raumgestaltungen und Ausstattungen von Gastraum und Saal haben sich freilich im Laufe so viele Jahre immer wieder dem Zeitgeist angepasst.

 

 

Aber gehen wir noch etwas in der Zeit zurück::
An der Einsiedler Sommerrodelbahn wurden ab dem Jahre 1929 erstmals im Bereich des Geländes der heutigen Waldklause an einem kleinen Imbiss der Erzgebirgszweigvereins Einsiedel Speisen und Getränke verkauft. Die nebenstehend abgebildete, kunstvoll verzierte kleine Hütte stand an der Stelle der heutigen Waldklause. Und sie hieß auch so!
Das massive, unterkellerte Gebäude brannte beim alliierten Bombenangriff am 5. März 1945 ab.
(Foto: Friedrich Schimmel)

Nach dem 2. Weltkrieg wurden die Reste der Sommerrodelbahn verkauft und erstmals an die Errichtung einer Ausflugsgaststätte gedacht. Geschuldet war dies der Tatsache, dass das weit über die Grenzen von Einsiedel hinaus bekannte Ausflugsziel Etablissement "Waldesrauschen" 1946 abgebrannt war.

Ergänzende Artikel:
Die Sommerrodelbahn
Etablissement Waldesrauschen

Das Grundgebäude und der Kiosk außen (“Waldschenke”) wurden 1955 über das NAW der DDR gebaut. Unter anderem wurde auch noch Restmaterial, welches geeignet erschien, aus der Ruine des “Waldesrauschen” geborgen und in der Waldklause verbaut. Leicht angekohlte Bretter und Balken kamen bei der Sanierung 1994 wieder zum Vorschein.
Auf den beiden Fotos oben sehen wir nun diese erste Ausbaustufe in ihrem Zustand Ende der 1950er Jahre.
(Foto oben rechts: Hans Morgenstern)

Das Foto links zeigt uns die Räumlichkeiten in der ersten Ausbaustufe mit Tresen und den Wirtsleuten. Es ist nicht genau zu datieren, wurde vermutlich aber im Mai 1958 aufgenommen.

Eine Innenansicht des Gastraumes in der ersten Ausbaustufe. Man beachte den Kachelofen am rechten Bildrand.
Das Fenster hinter dem Raumteiler wird später entfernt werden, der bis zum Boden erweiterte Durchbruch wird der Übergang zum Gesellschaftssaal, Veranda genannt.
(Foto: Lutz Schüppel)

Eine Aufnahme aus dem Jahr 1962. Deutlich erkennen wir nun die Doppelflügeltür, die an die Stelle des rechten Fensters getreten ist und in den neu angebauten Saal führt.
Auch gibt es jetzt eckige statt runde Tische.

In etwa der gleiche Blickwinkel wie auf den Fotos links und darüber, diesmal am 20. August 2004.
Jetzt, in dieser dritten, nach der Wende geschaffenen Ausbaustufe ist auch das linke Fenster verschwunden und wir gelangen an dieser Stelle in den Wintergarten.

 

 

So, Zeitsprung wieder zurück.
Sehr umfassende Erweiterungsbauten wie die Veranda, der Sanitärbereich und die Küche erfolgten in den Jahren 1959 bis 1963. Die beiden “Rohbau-Fotos” unten dokumentieren diese weitgehenden Um- und Anbauten recht gut.
Unten links: Der hier noch im Rohbau befindliche linke Gebäudeteil wird später die Veranda (eigentlich ein kleiner Saal/Gesellschaftssaal) beherbergen. Dahinter, im Bild nicht sichtbar, das Küchengebäude. Dieses wiederum ist auf der Abbildung unten rechts gut erkennbar.
(Fotos: links Hans Morgenstern, rechts Haus & Grund Einsiedel)

Ein Herbsttag in den 1960er Jahren.
Wir sehen die Waldklause in ihrer zweiten Ausbaustufe. Am äußeren Erscheinungsbild sollte sich nun nichts mehr ändern. Bis 1992 wurde das Gebäude in diesem Baustil genutzt. Dabei wechselten mehrfach die Betreiber, die alle der Handelskette “Konsum” unterstellt waren.
(Foto: Gabriele Hähle)

Der Biergarten vor dem Eingangsbereich im Jahre 1962.

 

Der Gesellschaftssaal 1962. Zur Orientierung: Die beiden linken Fenster gewähren einen schemenhaften Blick in den Biergarten wie auf dem Foto daneben sichtbar. Heute ist dort der Wintergarten.

Die Fotopostkarte links lief am 19. August 1971 und zeigt uns die Inneneinrichtung von Gastraum und Gesellschaftssaal.

Rechts eine Außenansicht und der Gastraum. Der Tresen ist mittlerweile mit einen Regal überbaut.
Diese Karte lief am 20. Mai 1977.

Oben links die Freiluftwirtschaft “Waldschenke”, sie wurde über die ganzen Jahrzehnte hinweg rege genutzt.
Auf den Bild daneben der wenige Meter unterhalb der Waldklause liegende Parkplatz, hier auf einer Fotografie aus den frühen 1980er Jahren.
Links: Konzert anlässlich des Parkfestes 1957 direkt an der Waldschenke. Die hier gut zu sehenden Steinaufschichtungen finden wir auf den Foto darüber wieder, so lässt sich der Platz dieser Aufnahme gut lokalisieren.
Diese Steinaufschichtungen und die beiden Plateaus von Waldschenke und Parkplatz wurden übrigens bereits 1932 durch einen “Freiwilligen Arbeitsdienst” des Einsiedler “Stahlhelm - Bund der Frontsoldaten” errichtet.
In den Zeit der Weltwirtschaftskrise wurde durch den Stahlhelmbund etwa 30 jungen Einsiedlern für ein halbes Jahr eine Arbeitsmaßnahme gegeben, im Zuge dessen wurden u.a. auch diese Flächen für den Erzgebirgsverein geschaffen, welcher wiederum die Maßnahme materiell und finanziell unterstützte. Wir alle haben bis jetzt noch etwas davon, auch wenn heute keiner mehr die Zusammenhänge kennt...woher auch.
(Foto oben links: Gottfried Hadam)

Mit der Wende kam ein langsames und vorläufiges Ende. Nach zweijähriger Schließzeit wurde die Waldklause 1994 von der Gemeinde Einsiedel in einem sehr schlechten Zustand verkauft und ging in Privathand über. Die neuen Eigentümer sanierten das Anwesen bis Ende Oktober 1994 komplett, so dass am 3. November 1994 der Betrieb mit 2 Angestellten, einer kleinen Speisekarte und unzähligen Anfangsschwierigkeiten wieder aufgenommen wurde.

Bis 1996 verbesserte sich der Zuspruch ständig, was sich an der steigenden Besucherzahl und vielen Feierlichkeiten widerspiegelte.
Die Einstellung neuer Arbeitskräfte und ein neuer Bauabschnitt mit der Grundsteinlegung für das Gebäude der heutigen Pension und Kegelbahn waren die Folge. Beides wurde im Mai 1997 eröffnet.

Im Januar 1999 wurde schließlich noch der Eingangsbereich verglast und der Wintergarten mit Ausgang zur Sommerterrasse angebaut.

Das Foto zeigt den Eingangsbereich der Waldklause am 20. August 2004.

 

Auf Grund der Größe der Waldklause und der Waldlage ist es schwierig, das Gebäude zur Gänze zu fotografieren. Im Sommer ist es wegen der Vegetation gar nicht möglich, daher gibt es oben zwei Aufnahmen vom 21. November 2012.

Heute kann man sagen, dass die Waldklause einen würdigen Nachfolger des “Waldesrauschen” darstellt und die erfolgreiche Vorkriegstradition gehobener Gastwirtschaft in Einsiedel fortführt.
Und wenn Sie mit ungewöhnlichen Verkehrsmitteln anreisen, parken Sie beinahe unmittelbar vor der Eingangstüre (Foto rechts).

 

 

 

 

Hintergrundwissen NAW:
Abkürzung für “Nationales Aufbauwerk” (der DDR), gegründet am 2. Januar 1952. An alle Bürger erging im gleichen Jahre der Aufruf, mit freiwilligen Arbeitseinsätzen die noch verbliebenen Trümmer in ihren Städten und Dörfern zu räumen und Neues aufzubauen. Der Neuaufbau (vor allem von Wohnraum) war dringend geboten, doch es fehlte in der DDR die Technik, um Ruinen zu räumen und neue Bauwerke zu errichten. Mit der Muskelkraft ihrer Einwohner schaffte es die Regierung der DDR, die fehlende Technik zu kompensieren. Trotz immenser Schwierigkeiten wurden hohe Werte geschaffen. Das NAW beteiligte sich u.a. an der Stalinallee in Ostberlin, am Ostseestadion in Rostock und an der Erschaffung der Stalinstadt (seit 1961: Eisenhüttenstadt). Speziell in Einsiedel wurde neben der Waldklause so auch 1961 die “Mühlbergschanze” erbaut.
Rechts: Werbeplakat von 1952 für das NAW.

 

 

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